Nach fast zwei Monaten Homeoffice wegen Corona denken viele nun wieder an die Rückkehr ins Büro. Damit sich alle Mitarbeiter ausreichend sicher und geschützt fühlen, sollten sich Personalverantwortliche und Arbeitgeber im Vorfeld fünf wichtigen Punkten widmen.

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Der Neubeginn nach dem Corona Lockdown

 

Durch die Corona Situation geschlossene Geschäfte, Gastronomie, Hotels, Fitnesscenter – sie alle öffnen langsam wieder und versuchen unter Auflagen die vorsichtige Rückkehr zur „Normalität“. Für Büros gibt es dafür ein Empfehlungsschreiben des Innenministeriums.

 

 

#1 Abstand halten

 

Mindestens einen Meter Abstand halten – auch diejenigen, die noch nie einen Babyelefanten live gesehen haben, kennen mittlerweile zumindest diese Corona Regel. In Büros könnte das mitunter schwierig werden, da in den vergangenen Jahren viele Unternehmen auf Großraumbüros umgerüstet haben. Diese effiziente Platznutzung muss jetzt überdacht werden. Einhalten kann man den Mindestabstand in erster Linie durch eine beschränkte Anzahl an Beschäftigten, die gleichzeitig im Büro arbeiten. Aber zunächst ein paar Worte zum Thema Räumlichkeiten.

Der 10 m² Platz pro Person Anhaltspunkt sollte derzeit auch im Büro eingehalten werden. Das ist im Übrigen um einiges mehr als die sonst geltende Regelung der Arbeitsstättenverordnung. Diese verlangt 8 m² Platz pro Person plus 5 m² für jede weitere. Einzelbüros, die kleiner als 10 m² sind, sind zwar nicht explizit angeführt, aber in der Regel hält man sich hier auch alleine auf. Zumal die 10 m² auch ein Durchschnittswert sind, der von der insgesamt zur Verfügung stehenden Fläche abhängt.

Wo es keine oder zu wenige Einzelbüros gibt, können gemeinschaftlich genützte Räume wie Besprechungszimmer oder Pausenräume zu vorübergehenden Arbeitsplätzen umfunktioniert werden. Zusätzlich sollte man andenken, wie in Besprechungen der Abstand eingehalten werden kann. Die Teilnehmeranzahl einschränken, nur jeden zweiten Sessel besetzen und auch ein Zeitlimit sind sinnvolle Empfehlungen. Letzeres hat den generellen Vorteil, dass man nicht unnötig Zeit in elendiglich langen Meetings verbringt.

Berücksichtigen sollte man auch das Verhalten und den Platzbedarf in Aufzügen, Toiletten oder im Eingangs- und Gangbereich. Anstellen, Abstand halten, warten – wie wir das auch vom Einkaufen kennen. Sinnvoll ist dann auch für den Gang auf die Toilette künftig etwas mehr Zeit einzuplanen.

 

#2 Hygiene am Arbeitsplatz

 

30 Sekunden Händewaschen mit Seife und lauwarmem Wasser – Boris Johnson hat dazu das Singen von zwei Mal Happy Birthday medienwirksam vorgeschlagen, bevor er selbst erkrankte. Auch diese Regel kennen wir mittlerweile sehr gut und die meisten wissen vermutlich, wie man sich richtig die Hände wäscht. Informationsschilder bei den Becken können trotzdem nicht schaden. Dass sich alle daran halten, liegt in der Eigenverantwortung jedes Einzelnen, auch andere zu schützen.

Speziell im Sanitärbereich sollten die Reinigungsintervalle erhöht werden, ebenso bei gemeinsam genutzten Türgriffen oder Aufzugknöpfen. Auch Trennwände aus Plexiglas, wie man sie von Supermarktkassen oder Apotheken kennt, können hier sinnvoll sein.

Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz außerhalb des eigenen Arbeitsplatzes, also an allen gemeinsam genützten Orten im Bürogebäude, wird empfohlen. Stellt man den Mitarbeitern einen MNS zur Verfügung, kann man waschbare Masken auch mit einem kleinen Logo oder entsprechendem Statement versehen. Dann stellen diese einerseits einen wertvollen Beitrag zum Employer Branding dar und erhöhen andererseits auch das Gefühl der Zusammengehörigkeit im Betrieb.

Weitere Hygienemaßnahmen, die im Büro eingehalten werden sollten, sind regelmäßiges Lüften. Mindestens viermal täglich für zehn Minuten gewährleistet einen optimalen Luftaustausch und sorgt generell für bessere Konzentration. Zudem sollten Arbeitgeber ihren Mitarbeitern Reinigungs- und Desinfektionsmittel zur Verfügung stellen, um auch den eigenen Computer, sowie Tastatur und Telefon regelmäßig zu reinigen.

Die wichtigste Hygieneregel gegen Infektionen am Arbeitsplatz ist und bleibt aber – nicht krank ins Büro kommen! Wer sich nicht gesund fühlt, sollte zuhause bleiben und so seine eigene Gesundheit und die anderer schonen. Unternehmer und Vorgesetzte sind hier besonders gefragt, um diese wichtige Grundregel der Zusammenarbeit vorzuleben – am besten auch für die Zeit nach Corona.

 

#3 Homeoffice beibehalten oder nicht?

 

Das Ministerium empfiehlt hier, Homeoffice beizubehalten wenn dies möglich ist. Die Corona-Krise hat in sehr vielen Bereichen gezeigt, dass das Arbeiten von zuhause gut funktioniert und auch die notwendige Teamkommunikation über entsprechende technische Hard- und Software Einrichtungen zufriedenstellend ist. Es gibt also wenig Gründe, es in der Zeit danach wieder komplett abzuschaffen. Wo es nicht gut klappt, sollte man evaluieren, wo die Probleme liegen und wie man sie beheben kann. Fehlt es an Ausrüstung oder ist vielleicht doch die persönliche Abneigung gegen Homeoffice? Nicht jedem liegt das Arbeiten aus der Ferne. Aber auch kritische Vorgesetzte, die meinen, dass das Arbeitspensum der Mitarbeiter im Homeoffice leidet, sollten sich Gedanken machen, ob das tatsächlich so ist und wie man das ändern könnte.

Wer sich jetzt also nicht sicher ist, ob die Form des Arbeitens beibehalten werden soll oder nicht, sollte mit seinen Mitarbeitern sprechen. Sie kennen die Vor- und Nachteile und können einschätzen, inwieweit Homeoffice auch nach Corona ermöglicht werden soll. Ihre Mitarbeiter werden es Ihnen danken, wenn sie sich möglicherweise zwei Stunden Anfahrtsweg pro Tag ersparen. Für das schrittweise Hochfahren des Bürobetriebes in den nächsten Wochen sollen jedenfalls weiterhin so viele Mitarbeiter wie möglich von zuhause arbeiten. Das gilt vor allem für Personen, die in die Risikogruppe fallen.

 
 

#4 Regelung der Anwesenheit im Büro

 

Damit jedem Mitarbeiter genug Raum zur Verfügung steht und der Mindestabstand eingehalten werden kann, dürfen möglicherweise nicht alle auf einmal ins Büro. Bevor man aber überlegt, wie die Aufteilung funktioniert, muss man entscheiden, wer zuerst wieder ins Büro kommt. Risikogruppen sollen so lange wie möglich von zuhause arbeiten. Mitarbeiter, die Probleme beim Arbeiten im Homeoffice haben, sollten hingegen als erste wieder ins Office dürfen.

Am besten besprechen Führungskräfte das mit ihren Teams. So kristallisiert sich schnell heraus, wer die Büroinfrastruktur vor Ort am meisten braucht. Das Ministerium empfiehlt, fixe Gruppen zu erstellen, die immer zur selben Zeit im Büro anwesend sind, um zusätzliche Kontakte und Ansteckungsgefahr am Arbeitsplatz zu minimieren. Das geht am besten in einer Art Schichtbetrieb.

Ein Team könnte beispielsweise vormittags, ein anderes nachmittags arbeiten. Auch eine tage- oder wochenweise Staffelung kann sinnvoll sein. Zu beachten ist dabei natürlich, wie viel Anwesenheit in Kurzarbeit sinnvoll ist und ob sich die Anfahrt ins Büro auch lohnt.

 

#5 Kundenkontakt und Treffen mit externen Partnern

 

Da nicht alle Besprechungen mittels Videokonferenz anzuwickeln sind und es manchmal einfach nötig ist, firmenfremde Personen zu empfangen, muss auch hier besonders auf die Abstandsregel geachtet werden. Wie auch in Geschäften soll auch hier auf die gleichzeitige Anzahl an externen Partner geachtet werden. Eine gute Terminplanung kann helfen, diese Zutrittsbeschränkungen einzuhalten.

Bei gemeinsamen Dienstfahrten in einem Auto sieht der Gesetzgeber einen Mund-Nasen-Schutz während der Fahrt vor. In öffentlichen Verkehrsmitteln gilt diese Regel sowieso. Wie lange noch, das liegt wohl an jedem Einzelnen von uns.

 
 

 

Bilder von Alexandra Koch und Rolf Hassel via Pixabay freundlicherweise kostenlos zur Verfügung gestellt.