Wenn Bewerber von sich aus ihre Bewerbung zurückziehen, spricht man von „Drop-out“ – ein Horror für Recruiter, der immer häufiger vorkommt. In den meisten Fällen sind diese Rückzieher eine Frage der Zeit – der Dauer des Bewerbungsprozesses, um genau zu sein. Denn Bewerber wollen schnelle Rückmeldungen und eine rasche Entscheidung. Lisa-Marie Linhart von karriere.at gibt 5 Tipps, um den Bewerbungsprozess für Firmen zu verbessern.

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Vier von zehn Bewerbern haben einen Bewerbungsprozess schon einmal abgebrochen, bei IT-Fachkräften sind es sogar mehr als die Hälfte. Der Grund: zu lange Wartezeiten auf eine Rückmeldung oder Entscheidung. Insgesamt 21 Tage finden Bewerber vom Abschicken der Bewerbung bis zur Zu- oder Absage akzeptabel, also gerade mal drei Wochen. Für die meisten Unternehmen ein Ding der Unmöglichkeit. Denn Recruiter oder jene Personen, welche sich mit dem Bewerbungsprozess befassen, sind häufig zu sehr mit administrativen Zeitfressern beschäftigt und können sich nicht voll auf die Auswahl der Kandidaten bzw. die Kommunikation mit diesen konzentrieren. Dabei könnte es so einfach sein …

 

5 Tipps, um den Bewerbungsprozess zu verbessern

Freundliche Kontaktaufnahme und kurze Reaktionszeiten sind für Kandidaten besonders motivierend, im Bewerbungsprozess zu bleiben. Auf diese Punkte sollte man dabei achten:

 

# 1 Online-Formular – in der Kürze liegt die Würze

Online-Formulare sollten so wenige Eingabefelder wie möglich haben. Denn auch hier spielt die Zeit eine Rolle: Wenn das Ausfüllen länger als 30 Minuten dauert, springen bereits 40 Prozent der Bewerber ab. Zudem sollten Fehlermeldungen gleich direkt beim jeweiligen Eingabefeld auftauchen und nicht erst ganz am Schluss.

 

# 2 Prioritäten setzen – Kommunikation zuerst

Nichts ist so wichtig wie freundliche Kommunikation mit den potenziellen neuen Mitarbeitern. In der täglichen To-do-Liste sollte die Beantwortung von Bewerberanfragen also immer oberste Priorität haben. Auch wenn die Ablage der Dokumente etwas darunter leidet: Ordner sind geduldig, Bewerber nicht.

 

# 3 Kampf dem schwarzen Loch – Rückmeldungen geben

Man schickt eine Bewerbung ab und sie verschwindet auf ewig in einem schwarzen Loch … so erleben es viele Bewerber. Ist eine Bewerbung eingetroffen, sollte man also so schnell wie möglich ein Antwort-E-Mail senden, um diesen negativen Effekt zu vermeiden. Der Antworttext kann standardisiert sein, der Empfänger sollte aber persönlich angesprochen werden. Mit einer flotten, freundlichen Rückmeldung katapultiert man sich bei den Bewerbern automatisch ganz weit nach vorn in der Favoritenliste.

 

# 4 Digitale Hilfsmittel nutzen – Bewerbermanagementsysteme

„Automatisch“ ist auch hier das Stichwort. Ob es das automatisierte Antwortmail ist, oder gleich ein Bewerbermanagementsystem genützt wird, digitale Tools beschleungigen den Bewerbungsprozess enorm und verringern den administrativen Aufwand. Kurz gesagt, behält man damit den gesamten Recruitingprozess besser im Blick. Man weiß, wie lange einzelne Bewerber schon auf eine Rückmeldung warten, wer bereits einen Termin für ein Jobinterview hat und wem wann zu- oder abgesagt wurde. Hoch entwickelte Bewerbermanagementsysteme lesen sogar automatisch die Daten des Lebenslaufs aus und bewerten, wie gut der Bewerber zur jeweiligen Stelle passt oder wo er sonst eingesetzt werden könnte.

 

# 5 Transparenz und Eigenverantwortung

Self-Service-Zonen sind ein wahrer Glücksfall für Recruiter. Legt sich der Bewerber mit dem Ausfüllen des Bewerbungsformulars zugleich einen Account auf der Karriereseite an, so kann er seine Daten jederzeit selbst aktualisieren. Gewährt man ihm damit auch Einsicht in den aktuellen Stand seiner Bewerbung, so hat das einen doppelt positiven Effekt: Der Personalverantwortliche muss die Daten des Kandidaten nicht selbst ändern und dauernd Anfragen zum Status beantworten. Dem Bewerber hingegen wird vermittelt: Bei uns lebt man Transparenz und Eigenverantwortung. Bei uns weißt du, was Sache ist, und darfst vieles selbst entscheiden. – Im Idealfall stimmt das dann auch im Arbeitsalltag.

 

 

Haben Sie schon einmal eine Auslagerung angedacht?

Für freundliche und zeitnahe Kommunikation muss man sich entsprechend Platz freischaufeln und Prioritäten setzen. Auch die Beschaffung eines Bewerbermanagementsystems und die Einrichtung von Self Service Zonen kosten Geld. Insgesamt gute Tipps, die aber nicht von allen Unternehmen 1:1 umgesetzt werden können. Zudem kommen die erwünschten Bewerber nicht immer über direkte Bewerbungen auf die Firma zu. Da kann die Ausschreibung noch so gut sein. Viele sind nicht aktiv auf Jobsuche, aber einem Firmenwechsel trotzdem nicht abgeneigt. Diese müssen auf Social Media angesprochen oder auf Berufsplattformen wie z.B. XING oder LinkedIn gefunden werden. Um hier wirklich vernünftige Ergebnisse zu erhalten, kostet es weider extra.

Deshalb ist es oft vernünftig und kostensparend, die Personalsuche, oder Teile davon, an einen professionellen externen Personalberater auszulagern. Sie sparen damit nicht nur Zeit und Nerven, sondern erhöhen auch Ihr Firmenimage bei Bewerbern und die Chance schlussendlich die richtige Mitarbeiterin oder Mitarbeiter beim Onboarding ohne Stress begleiten zu können! 

 

 
 
(Bildnachweis: Fotolia)